Mobiler Musikservice

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Teil 3 - Der Arbeitstag eines DJs

Um die Arbeit eines DJs ranken sich ja verschiedene Vorurteile: Das ist gar keine Arbeit, der DJ ist entweder ein Star oder nur eine menschliche Musikbox, drückt ab und zu mal ein Knöpfchen, trinkt sich die Stimmung an, kifft oder kokst zwischendurch auf dem Klo, flirtet unablässig und hat jede Nacht eine Andere im Bett.

Es mag sein, dass es DJ-Kollegen gibt, die dem einen oder anderen Klischee entsprechen, aber die Realität ist eher nüchtern. Bei mir als selbständiger, mobiler DJ fängt der Veranstaltungstag damit an, auch bereits für kleine Partys mehr als 100 kg Equipment ins Auto zu laden. Schon lange vor den Gästen in der Location angekommen, nehme ich alles zum Transport in die Location ein weiteres Mal in die Hand und zum Aufbauen und Anschließen auch noch ein drittes Mal. Nach dem Sound- und Lichtcheck gibt es noch ein paar Minuten zum Umziehen und Erfrischen und dann geht es meistens auch schon los mit der Musik.

Hat mein Kunde zu Beginn eine Hintergrundmusik gebucht, ist das für mich eine gute Gelegenheit, noch rasch ein paar Absprachen zu führen und vor allem mein Publikum kennenzulernen. Nein, ich schüttle dazu keine Hände und frage nach Namen, ich beobachte die Gäste. Für diese Phase habe ich verschiedene Playlisten vorbereitet, die auch automatisch ablaufen können und mir etwas mehr Freiraum ermöglichen.

Dann später zum Aufbauen der Stimmung und zum Tanzen läuft nichts mehr automatisch, jeder Titel wird individuell ausgesucht und per Hand gestartet. Bei einer durchschnittlichen Spieldauer von 3:30 min bleibt auch keine Zeit zum Koksen oder Flirten. Stattdessen wird weiterhin das Publikum beobachtet und die Stimmung aufgesaugt. Häufig verraten die Gäste auch ihre Musikwünsche durch bestimmte Gesten oder brüllen ihrem Gegenüber ihre Idee einfach ins Ohr. Auf solche spontanen Anregungen reagiere ich auch immer ganz spontan, denn sie passen meistens sehr genau und die Musik kann Dank digitaler Technik wenige Sekunden später im Player liegen. Glücklich bin ich immer, wenn mal ab und zu ein längerer Titel in den Player rutscht, der mir erlaubt, eine neue Flasche Wasser zu holen oder das zur Toilette zu bringen, was raus will. Ja - Wasser, kein Alkohol! Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, angetrunken auch noch so viel von meiner Umwelt wahrzunehmen.

Nachdem sich irgendwann auch der letzte Gast völlig fertig, müde und mit schmerzenden Füßen vom Gastgeber verabschiedet und den Weg ins Bett angetreten hat, ist für mich noch lange kein Feierabend. Auch wenn ich länger als jeder Gast auf den Beinen war und an meinem Platz auch getanzt und gefeiert habe, muss mein Bett noch lange warten. Das Equipment will wieder verpackt und verladen werden. Nach ca. einer Stunde körperlicher Arbeit erwartet mich dann häufig eine weitere Stunde Fahrzeit bis zum Lager. Wenn dann das Auto wieder leer ist, darf auch ich an Feierabend denken. Würde man sich an der Stelle kurz die Mühe machen und nachrechnen, kommt man schnell darauf: Die Frau, die während der Party möglichweise mein Interesse geweckt hat, liegt bereits seit zwei Stunden im Tiefschlaf und sicher nicht in meinem Bett. Das zu den Klischees!

Der DJ ist der Typ, der freitags und samstags arbeitet, wenn Andere feiern oder sich im Kreise der Familie erholen. Aber dafür hat er ja den Rest der Woche frei! Das ist leider ein weiteres Klischee. Auch wenn es von Sonntag bis Donnerstag kaum Buchungen gibt, ist das keine Freizeit für einen DJ. Ich bewundere ein wenig meine nebenberuflichen Kollegen, die diesen Job zwischen einer 40-Stunden-Woche machen.

An Werktagen dominiert die Büroarbeit. Interessenten sollen zu Kunden gemacht werden, es müssen Angebote geschrieben, Aufträge bestätigt, Rechnungen verschickt und künftige Veranstaltungen vorbereitet werden. Vorbereitungsgespräche, ob nun persönlich oder telefonisch, finden auch erst immer statt, wenn die Kunden Feierabend haben. Manch ein Kunde reicht mir sehr umfangreiche Wunschlisten ein, solche Playlisten sind auch nicht innerhalb weniger Minuten zusammengestellt. Wie jeder andere Geschäftsmann hat auch ein DJ Rechnungen zu bezahlen und die notwendige Finanzbuchhaltung zu erledigen.

Da man Interessenten nicht ausschließlich durch Mundpropaganda oder als zufriedene Gäste gewinnt, sollte sich ein DJ auch auf andere Weise vermarkten. Möchte man dafür keine Agentur bezahlen, die für viel Geld eigentlich nichts tut, als ein vom DJ erstelltes Profil neben tausenden anderen DJ-Profilen in einem Internetportal aufzulisten, muss man sich selbst entsprechendes Wissen aneignen und Werbestrategien entwickeln sowie umsetzen.

Wenn ich zuletzt über die Musik- und Techniktrends schreibe, heißt das nicht, dass die auch in der Wichtigkeit an letzter Stelle stehen. Natürlich muss ein DJ, der aktuell sein will, auch die Charts im Auge behalten, Trends erkennen und sich die entsprechende Musik anschaffen. Zum Glück sind die Trends bei der Technik nicht ganz so wechselhaft. Aber auch hier sollte man sich vor einem Kauf gut informieren, denn ein sinnlos angeschafftes Gerät "begräbt" mal rasch mehrere hundert Euro.

 

Ein Discjockey ist also eine Mischung aus Geschäftsmann, Verkäufer, Marktanalyst, Logistiker, Veranstaltungstechniker und Unterhalter. Um die Arbeit professionell zu erledigen, bedarf es einer Menge Fachwissen. Darum es unerklärlich, warum es von staatlicher Seite noch immer kein festgeschriebenes Berufsbild gibt.

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